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BKZ

Die Faszination sanft-lasziven Spiels

12.11.2008

Backnang – Ein Seidentuch, das in einer kühlen Sommerbrise flattert – wenn man Ellen Marquarts Stimme beschreiben müsste, kommt man auf Bilder wie diese. Angenehm, unaufdringlich, sanft-lasziv und doch präsent. Und ganz nebenbei spielt diese Frau auch noch so mühelos leichthändig Piano, man könnte fast meinen, dass sie nur so tut und die ganze Musik gesampelt ist. Aber weit gefehlt.

VON MARINA HEIDRICH

Die Amerikanerin gibt normalerweise mit ihrem Bandprojekt Jazzlife und einem zwölfköpfigen Streichorchester Konzerte. Jetzt trat sie in einer Triobesetzung gemeinsam mit ihrem Mann, dem Trompeter Bernd Marquart, und Joel Locher am Kontrabass im Plan B in Backnang auf. Jeden 1. Donnerstag des Monats bieten Gerd Mende und Nena Pataridou in ihrer Lounge kleine feine Konzerte für Jazzfreunde, bei denen der Eintritt stets frei ist. Einer der Höhepunkte dabei ist der Auftritt von Jazzlife in der Trioformation. Keine Showeinlagen, keine extravagante Bühnengarderobe, kein Möchtegern-Stargehabe, einzig die Musik ist wichtig und steht an zentraler Stelle.

Ellen und Bernd Marquart lernten sich in den USA in einem Jazzclub kennen. Beide haben, wie auch Kontrabassist Joel Locher, den gleichen Hintergrund: Aus einer Musikerfamilie stammend, führte ihr Weg nach bereits frühem Interesse am Jazz zunächst über eine klassische Ausbildung und erfolgreiche Teilnahmen an diversen Wettbewerben zu einem Studium an der Musikhochschule. 1991 kam Ellen nach Deutschland und bildet seitdem mit ihrem Mann auch eine musikalische Einheit. Neun CDs mit Covers und Eigenkompositionen haben die beiden mittlerweile eingespielt. Der gebürtige Stuttgarter Joel Locher, ehemaliger Solokontrabassist im Stuttgarter Jugendkammerorchester und Mitglied des Festivalorchesters der Internationalen Bachakademie, ergänzt mit seinem routinierten Groove das Ehepaar rhythmisch. Bernd Marquart ist eine äußerst angenehme Erscheinung: Unaufdringlich und unprätentiös sowohl im Spiel, wie auch bei den Ansagen überzeugt er durch Gefühl und Qualität. Leicht könnte seine Trompete in dem kleinen Veranstaltungsraum zu laut werden, aber Marquart beherrscht das Instrument. Das Publikum könnte sich locker nebenbei unterhalten, wenn es nicht so fasziniert mit Zuhören beschäftigt wäre. Der Dialog findet zwischen den Instrumenten statt, virtuos und gekonnt in angenehmer Lautstärke. Und dazwischen immer wieder diese sanfte Stimme von Ellen Marquart, bei deren Klang man sich in die Hoch-Zeiten der frühen amerikanischen Jazzladys versetzt fühlt. Wer bislang glaubte, dass Jazz eine technisch zwar hochanspruchsvolle Angelegenheit ist, Emotionen indes eher in anderen Musikstilen zu Hause sind, sollte sich von ihrer Stimme überzeugen